Die Freie Ausbildung für biologisch-dynamischen Landbau

Siebenteilige Information:
1. Allgemeine Infos
2. Wer, wie, was? Freie Ausbildung in Kürze,
3. Kontakt: Seminarleiter, Vermittlung, Verbesserung, andere Ausbildungen,
4. Termine, Anmeldung (doc), Anmeldung (PDF), Höfe in NS(xls), Höfe in NS(PDF)
5. weitere Infos zum Herunterladen, Abschluß,
Pressemitteilung 10.07.2010
6. Leonardo da Vinci Projekt Ensa : Ziele, Netzwerk, Entscheidung des Europ. Rates 16. Juli 1985
7. Texte: Expertengespräche zur Didaktik, Ausbildung-Zukunft, Frage der Entwicklung
Erneuerung und Entwicklung nicht nur in der Ausbildung - Instrumente

Frage der Entwicklung (Evolution, Development)
in der biologisch-dynamischen Ausbildung und Beratung

Das Leben aus der Zukunft gestalten

für keinen Teil der Gesellschaft gilt das mehr als für Bildung und Ausbildung, die in doppelter Weise in die Zukunft wirken.

Deshalb ist die Beschäftigung mit den Fragen nach dem Wesen der Zukunft einer der wichtigsten Bestandteile einer jeden Ausbildung. Lehrer und Schüler begegnen sich an dieser Frage als Gleiche, der Ältere hat mehr Erfahrung in der Bewältigung des Lebens, aber der jüngere ist näher an der Zukunft und so gibt es keinen besseren Ausgangspunkt für ein richtiges Gespräch.

Kein Wort über die Zukunft ist verführerischer und unpassender als der Satz:

Die Zukunft findet statt, egal ob wir sie wollen oder nicht.

Diesen zu bearbeiten könnte beginnen mit der Frage nach dem Zeitverständnis, dem Zeitbegriff der Teilnehmer.

Läuft die Zeit ohne Sinn vom Urknall ......... ?

Was war vorher ?

Läuft sie auf ein bestimmtes Ende zu ?

Ist sie die Wiederkehr des ewig Gleichen ?

Verstehe ich die Zeit linear, kausal, zyklisch, eschatologisch evolutionär, final, revolutionär ...........?

Philosophien, Schöpfungsmythen, Weltanschauungen können bemüht werden um diese Worte zu füllen, um kräftigere oder gedanklich stringentere Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft zu gewinnen.

Schließlich wird man immer zu der Frage kommen:

Gibt es etwas wirklich Neues? Und wenn ja, wie kommt es in die Welt? Wo findet der Schöpfungsakt statt?

Botanik

Korbblütler

Es ist müßig hier zu schreiben von all den möglichen Gesprächen, die sich an diese Einleitung anknüpfen bzw. anknüpfen können, wichtig für den Ausbildenden aber auch für den Berater ist, daß er sich als fragend Beteiligter mit in dieses Gespräch begibt, weil er selbst diese Fragen nicht für sich als gelöst betrachtet. Die weiteren Fragen, welche in solchen Gesprächen dann aufbrechen, weil sie heute sehr dicht an der Oberfläche warten, sind die nach dem Geistigen, dem wirkenden Geistigen: Alles Suchen nach Geistigkeit findet hier einen Anknüpfungspunkt.

Es wird versucht Geistiges nicht nebelhaft aus Überlieferungen verschiedener Völker vor- und zusammenzustellen, sondern wirkend zu denken. Fast mit der gleichen Selbstverständlichkeit regt sich die Frage nach der eigenen Geistigkeit, dem Woher des Ich, die Frage nach der Freiheit, und will bearbeitet sein. Naheliegend scheinen mir hier die Überlegungen, wenn nicht gleich die Kurse über Evolution und ihre Kräfte und die heutige Stellung des Menschen in ihr; über den Schulungsweg und das Ergreifen der Wandlungs- und Zukunftskräfte im Menschen

Nur eine solche Beleuchtung gibt den Inhalten der verschiedenen Kurse unseres Curriculums das Verunsichernde, Bohrende, was dazu führen kann, neue Gedanken und neue Impulse aufkommen zu lassen .....

Diese Fragen wachzuhalten und in Kursen über Astronomie, Geschichte, Zeitgeschehen, Jahresfesten, Sozialkunde, aber auch über Botanik, Betriebswirtschaft, Tierzucht ist die Aufgabe der Erfahreneren,

über Didaktik und Methode wäre im Einzelnen viel Austausch nötig.


Jeder Mensch bringt diese Grundfragen mit; leichter aber ist es mit 18-25-jährigen darüber ins Gespräch zu kommen, Bauern die über dreißig sind scheinen meist zu der Spezies zu gehören, die diese Fragen als unbeantwortbar ad acta gelegt hat, trotzdem gehört es auch zu den Grundproblemen der Umstellung an diese Fragen heranzukommen ( it’s not a Question of changing the farm but of changing ourselves ) auch wenn die Methoden mit ihnen umzugehen sicher viel stärker über die praktischen Fragen der Bauern gehen wird, .....

aber diese Anregungen müßten im Hintergrund des Bewußtseins des Ratenden anwesend sein um die Umstellung nicht in technischen Rezepten stecken bleiben zu lassen.

Junge Menschen aber stellen die Grundfragen an die Gesellschaft vehement und unüberhörbar und im Falle der Zivis, Praktikanten und Lehrlinge die zu uns kommen sind es etwa diese:

Wie geht Ihr mit der Schöpfung um und laßt Ihr mich teilhaben ?

Könnt Ihr (auch mit uns) zusammenleben und vor allem zusammenarbeiten ?

Richtet Ihr Euch in einer Nische ein oder gestaltet Ihr die Gesellschaft mit (aus der Zukunft) ?

Und endlich und als persönlichste:

Habt Ihr noch Fragen und seid Ihr noch in Entwicklung ?

Sehr stark beobachtend prüfen sie diese Fragen, auch wenn sie sie zum Teil nicht so klar haben.

Anders ausgedrückt ist das die Frage: Lassen wir die Zukunft als fortgelebte Vergangenheit passieren oder gestalten wir sie durch neue Impulse, in dem wir an uns selbst arbeiten ?

So ist die Frage nach der Ausbildung und Umstellung überhaupt nicht zu trennen von der Frage: Wie gestalten bzw. entwickeln wir die Höfe und unser Leben darauf aus der Zukunft ?

Für welchen Sektor der Gesellschaft scheint ein radikales Umdenken in Bezug auf die Zukunft notwendiger als für die Landwirtschaft, die schon lange den Anschluß an die Zukunft aus Technik und Globalisierung versäumt hat; besonders aber für die ökologische Landwirtschaft, die an vielen Stellen nostalgisch geprägt scheint und ist.

Das Wichtigste scheint mir in diesem Zusammenhang auf allen Seiten der Mut. Der Mut, jedes Problem als ein individuelles zu erkennen und der Mut zur individuellen Lösung, der nicht nach biologisch-dynamischen Prinzipien, anthroposophischer Sichtweise, anerkannter Landwirtschaftstheorie oder liebgewordenen Vorstellungen ruft, scheint mir hier zu helfen. Nur wenn ich anfange mich in meinem individuellen Urteil sicher zu fühlen (geschult durch Beschäftigung mit obengenannten Fragen und einem gewissen Vertrauen in die Kraft des denkenden Ich und in die geistige Welt) kann ich solche Urteile und Entscheidungen fällen, die weiterführen, die helfen einen neuen Begriff von Bauernhof zu fassen den es noch nirgendwo auf der Erde gibt und der an jedem Ort und durch die Beteiligten neu entsteht und eine individuelle Ausprägung erfährt.

Dabei sollten wir als Ausbilder und Berater davon ausgehen, daß es nichts gibt, was es nicht geben darf und diese Sicherheit auch unseren „Klienten” mitgeben.

Jede Lösung kann richtig sein, wenn sie nur aus dem eigenen Urteil entspringt zu Fragen, die der jeweilige Hof und die umgebende Welt uns stellt. Sogenannte biologisch-dynamische Prinzipien sind dagegen zweitrangig, die Antworten liegen letztlich auch darin eine (nachhaltige) Wirtschaftsbeziehung zur natürlichen und menschlichen Umwelt aufzubauen.

Die Vielfalt der biologisch-dynamischen Betriebe zeigt für mich, daß dieser Weg der Eigenentwicklung, des Eigenwegs der moderne, uns angemessene ist. Der Weg den wir, die jetzt Tätigen zur Landwirtschaft, zur Anthroposophie, das heißt zu unserem jetzigen Stand gegangen sind, ist hoffentlich individuell, steinig und unverstellbar verschieden.

Wie öffnen wir den Jungen oder Quereinsteigern einen ebenso steilen, dornigen und eigensinnigen Weg? Fragen des Rechtslebens (z.B. der biologisch-dynamischen Anerkennung) müssen und sollen hier ausgeschlossen oder zumindest hintangestellt sein.

Im Zuge der Verflachung und Inflation der Öko-Zeichen bekommen wir Profil nicht durch strengere Richtlinien oder das Entwickeln gemeinsamer Prinzipien sondern nur durch echte Individualität. Diese wird gespeist durch zwei Quellen: Der Frage nach dem Geistigen in mir und der Welt und die Wahrnehmung von dem was die Zeit und die Gesellschaft jetzt von uns verlangt. (Ich wiederhole mich)


Feldrundgang

Es ist interessant zu merken, daß die Menschen um uns herum sich für die Belehrung (auch durch „uns”) am wenigsten interessieren, daß sie für typische Landwirtschaftsprodukte am wenigsten bezahlen (mit Fertig- und Konvenience-Produkten ist schon mehr zu machen), wenn wir aber unsere eigentliche Domäne verlassen, Hoffeste, Managerschulungen, Aktivurlaub, Hofcafe, ............. anbieten, kommen sie alle; auch nach Aufnahme von Schülern, Sozialtherapie Nachsorge, Altenpflege ................ wird viel angefragt (ist das mit Multifunktionalität gemeint) aber wir sind noch nicht in der Lage diese Werte zu einem angemessenen Preis zu gestalten. Wenn die Gesellschaft (Einzelpersonen, Wirtschaftsbetriebe, Arbeitsamt, Eltern, Schulen, Krankenkassen, EU ......) etwas anderes von uns als die klassischen Produkte verlangen, so müssen wir fragen was sie dafür zahlen wollen und wir müssten unsere Preise nennen.

Dieses „neue Hofbild” können wir von den Produkten her anschauen oder von der Qualität, die die Höfe dabei entwickeln müssen.

Die „Produkte” reine Luft, sauberes Wasser, gesunder Wald, schöne Landschaft, Übernachtung, Wohnraum, Arbeitsplätze gehen langsam über in die „Qualitäten” Zusammenleben, Erholung, Geborgenheit, Ruhe, erfüllte Arbeit .....

...... für beides aber gilt: Sie sind sowohl wirtschaftlich schwieriger zu messen als auch schwerer durch Richtlinien zu beschreiben und ISO 9000 als Qualitätsmanagment erreicht nur die Hülle, aber der Verlust der Qualitäten führt sehr bald zum Wegbleiben der Kunden , der Menschen.

Deutlich aber ist, daß sowohl die Produkte als auch die Qualitäten dem sozialen, nachhaltigen, evolutiven Leitbild von biologisch-dynamischen Höfen nicht widersprechen sondern sie erfüllen und auch spezielle Maßnahmen wie die Präparate werden auf diesem Weg viel früher entdeckt und ins Konzept einbezogen.

Zum anderen merken wir, daß genau diese hinter allen biologisch-dynamischen Höfen wahrnehmbaren Qualitäten oder Ideale das sind, was die jungen Leute halb-bewußt suchen und was die „umstellen wollenden” Bauern als tiefe Sehnsucht halb verdrängt haben.

Unser Bild in der Öffentlichkeit, das Bild der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, wird gebildet durch die konkreten Menschen auf den individuellen Höfen, die persönliche Gespräche mit anderen Menschen haben.

Dieses Bild darf nicht überdeckt werden durch abstrakte biologisch-dynamische Prinzipien, ökotechnische Lösungen für Schädlingsbekämpfung oder Richtlinien und ”Phrasen” über Präparateanwendung. Vor allem von den Höfen muß weiterhin eine Ausstrahlung ausgehen. Weil junge Menschen interessante Gespräche, Arbeit und „Umgang” mit der Natur dort finden ................

(Hier kann jeder selbst „Produkte” und „Qualitäten” einsetzen die ihm selbst immer wieder als wichtig auftauchen.)

Ich für meinen Teil bin der Überzeugung, daß diese Ausstrahlung darauf beruht, daß Kultur im weitesten Sinne auf den Höfen stattfindet. Kultur in diesem Sinne heißt die Erscheinungsformen der Natur und die menschliche Seele, die eigene und die fremde pflegen, nur dadurch entwickelt sich Natur und Mensch weiter. (Hier kann jeder wieder selbst viel einsetzen und wie bei allen Strichen und Punktstrichen in diesem Text die Gedanken weiter spinnen).

Wie zu bemerken, fiel es mir nicht leicht diesen Text zu schreiben; noch nie habe ich so oft verbessert und wieder nachgebessert. Ich habe gemerkt, wie wenig ich mit dem Nacheinander meiner Sprache in den von mir anvisierten Themen und Begrifflichkeiten gerecht geworden bin.

Um so mehr hoffe ich darauf ins Gespräch zum kommen, und dadurch ein mehr räumlich dialogisches Gebilde entstehen zu lassen.

Clemens von Schwanenflügel, Hof Wörme, ist Koordinator der Freien Biologisch-dynamischen Ausbildung in Norddeutschland.

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