Freie Hofschule Wörme

Waldorfschule mit handlungspädagogischem Profil

Der Hof blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte pädagogischer Arbeit zurück. Die neue Hofgemeinschaft möchte sich in diesen wertvollen Strom stellen und den nächsten Schritt vom Schulbauernhof zur Bauernhofschule gehen und damit zusätzlich zu (Schul-)Praktika und Ausbildungsplätzen auch Kindern und Jugendlichen das alltägliche schulische Lernen innerhalb des Hoforganismus ermöglichen.

Mit Beginn des Schuljahres 2026/2027 soll eine kleine handlungspädagogische Hofschule für insgesamt ca. 50-60 Kinder und Jugendliche entstehen. Wir beginnen mit einer Gruppe von ca. 15 Kindern im Grundschulalter (1.-3. Klasse) und lassen die Schule dann sukzessiv behutsam wachsen.

Die altersübergreifenden Lerngruppen werden sowohl von pädagogischem Fachpersonal als auch den Tätigen auf dem Hof begleitet. Besonders inspiriert sind wir von bereits etablierten handlungspädagogischen Hofschulen und der Natur-Kultur-Pädagogik.

In Zusammenarbeit mit dem für uns zuständigen Regionalen Landesamt der Landesschulbehörde entwickeln wir ein langfristig tragfähiges Modell.

Kernelemente des
pädagogischen Konzeptes

Wiederverbindung

Ein grundlegender Gedanke unserer Bestrebungen ist das Wiederzusammenbringen von dem, was in Schule und Gesellschaft vielfach getrennt voneinander betrachtet oder gelebt wird. Wir möchten die Fächerinhalte neu miteinander verweben, den schulischen Alltag der Kinder am Lebensalltag der Erwachsenen und den Anforderungen der Gesellschaft orientieren, verschiedene Altersgruppen wieder voneinander lernen lassen und nicht nur die Ausbildung intellektuell-rationaler Fähigkeiten in den Mittelpunkt rücken, sondern gleichermaßen Körper, Gefühlen, Intuition und Sinneswahrnehmung einen würdigen Platz im Lernprozess einräumen.

Waldorfpädagogik

Als Waldorfschule orientieren wir uns am Lehrplan der Waldorfschulen und verbinden etablierte und wertvolle Elemente der Waldorfpädagogik mit dem alltäglichen Hofgeschehen, wie es schon Goethe in der Darstellung einer „pädagogischen Provinz“ beschreibt. Einen Teil des Tages verbringen die Kinder in den Räumen und behandeln übergreifende Themen des Lehrplanes in Epochen. Ebenso wird es rhythmische Elemente und Eurythmie geben. Waldorfspezifische Fächer wie Handarbeit, Handwerken und Gartenbau lassen sich sinnvoll in den Hofalltag integrieren.

Handlungspädagogik

Die Handlungspädagogik lebt von der Vielfältigkeit des Umfeldes und den Notwendigkeiten der verschiedenen Lebens- und Arbeitsfelder. Die Schülerinnen und Schüler erleben täglich die am Ort lebenden und arbeitenden Erwachsenen in ihren sinnvollen Tätigkeiten. Durch ihre Mitarbeit können sie lebensnahe Lernerfahrungen u.a. in den Bereichen Acker- und Gartenbau, Hauswirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Jagd, Forstwirtschaft, ökologisches Bauen, Maschinenreparatur, Mitgliederladen, Tierpflege (Rinder, Ziegen, Pferde, Hühner, Enten, Katzen, …), Verwaltung und Veranstaltungsorganisation sammeln. Sie lernen Tier- und Pflanzenkunde am lebenden Beispiel, die Berechnung von Ackergrößen, Erntemengen, Preisen im Laden, Geometrie und Physik beim Bauen von Gebäuden, Musik, Kultur und Theater für Hoffeste, Beschriften von Kräuterbeeten, Entwerfen von Ladenaushängen, Plakaten und Artikeln für das Umfeld u.v.m.

Natur-Kultur-Pädagogik

Elemente der Natur-Kultur-Pädagogik in den Schulalltag zu integrieren bedeutet für uns u.a., mit einer Grundhaltung von Dankbarkeit, Respekt, Demut und Liebe aufeinander und unser lebendiges Umfeld zu schauen, unsere sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten zu schärfen, verbindende Gemeinschaftselemente erlebbar zu machen, alte Handwerkstechniken zu erlernen, die natürlichen Tages-, Jahres- und Lebensrhythmen bewusst zu durchlaufen, die Verbindung zu allen Elementen und Naturreichen zu stärken und ein Verständnis der gegenseitigen Allverbundenheit allen Lebens zu kultivieren. 

Eingebunden in den gesamten Hof-Organismus

Das gesamte Hofgelände und die Hofgemeinschaft bilden zusammen mit dem näheren Umfeld die Grundlage für alle Lernerfahrungen des schulischen Alltages. Die Schülerinnen und Schüler werden altersübergreifend in die verschiedenen Arbeitskontexte eingebunden und erleben sich als mittätige und hilfreiche Mitglieder des gesamten Hoforganismus.

Die Kinder werden zum einen in festen Bezugsgruppen von 1-3 Jahrgängen den Großteil ihrer Lernerfahrungen machen und zum anderen in Projekten und Draußenarbeiten in variierenden Zusammensetzungen klassen- und lerngruppenübergreifend zusammenkommen.

Jahrgangsübergreifendes und lebenslanges Lernen

Altersmischung verschafft den Schülerinnen und Schülern Erfahrungen, die sie in Jahrgangsklassen seltener machen können. In altersgemischten Lerngruppen lässt sich gut beobachten, wie Kinder wertungsfrei voneinander lernen. Jüngere lassen sich gerne etwas von Älteren erklären. Diese wiederum zeigen oft ein besonderes Geschick und Einfühlungsvermögen beim Erklären von Sachverhalten.

Genauso werden nicht nur die Kinder, sondern alle teilhabenden Personen unabhängig von Alter und Wissensstand als Lernende bis ins hohe Alter erachtet, die sich gegenseitig durch ihre unterschiedlichen Perspektiven, Lösungen und Herangehensweisen inspirieren lassen.

Holistisches Menschenbild

Wir gehen davon aus, dass alle Menschen vielseitige und komplexe Wesen sind, die das Bedürfnis und Recht auf die gleichwertige Erfahrung von rationalen, emotionalen, sinnlichen, künstlerischen, körperlichen, ästhetischen, sozialen und spirituellen Lernräumen haben. Wir beobachten gesamtgesellschaftlich eine frühzeitige Fokussierung auf rational-kognitive Fähigkeiten, welche wir durch vielfältige, abwechslungsreiche musisch-künstlerisch-kreative Lernangebote ausgleichen möchten. Die Vermittlung von Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen werden wir etwas langsamer als an den meisten Grundschulen vollziehen, bis zum Ende der vierten Klasse aber ein vergleichbares Niveau aufweisen.

Sustainable Development Goals

Die Gestaltung des gesamten Hoforganismus steht im Einklang mit den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Globalen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs). Die Schülerinnen und Schüler können alltäglich auf vielfältigste Weise erleben, was es bedeutet, innerhalb planetarer Grenzen zu agieren, Lebensmittelsicherheit herzustellen, gesunden Boden und Artenvielfalt zu erhalten, Frieden und Gerechtigkeit zu kultivieren, in Kreisläufen zu denken, Ressourcen zu schonen usw. Jedes der Entwicklungsziele findet hier im Sinne des Whole System Approach seine Entsprechung und kann kontextbezogen vermittelt werden. So lernen die Kinder und Jugendlichen direkt vor Ort sowohl die technischen als auch die kulturellen Fähigkeiten, um suffiziente und subsistente Lebensstile zu realisieren. https://17ziele.de

Inner Development Goals

Neben den globalen Entwicklungszielen orientieren wir uns auch an den Inneren Entwicklungszielen (Inner Development Goals – IDGs), die 2021 von der internationalen Zivil- und Wissenschaftsgemeinschaft als notwendige Voraussetzung zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele erachtet werden. Hierzu gehören u.a. Empathie, Mut, Kreativität, Team-Fähigkeit, Verbundenheit zu anderen Lebewesen, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, ein inklusives Mindset, Vertrauen und kritisches Denken. https://innerdevelopmentgoals.org

Medienfreiheit in Schule und Elternhaus

Nach Vorbild einiger handlungspädagogischer Schulen möchten wir mit den Eltern der aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler eine Zusage zu Medienfreiheit in Schule und Elternhaus vereinbaren, um den Kindern eine umfangreiche Ausprägung ihrer sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten zu ermöglichen, ihre Konzentrations- und Empathiefähigkeiten auszubilden, ihre Kreativität zu stimulieren und eine ganzheitliche Verbindung zu den Naturreichen erfahrbar werden zu lassen.

Die Erfahrungen anderer Schulen zeigen, dass dies sehr erschwert wird, wenn die Kinder durch zu frühen Medienkonsum überreizt, ermüdet und stark von virtuellen Welten geprägt sind. Sehr viele Eltern befürworten die Reduktion der Mediennutzung ihrer Kinder, letztendlich führen aber die Dynamiken unter den Kindern zu großen Herausforderungen, weil die unterschiedliche Handhabung der Elternhäuser den Ausschluss einiger Kinder z.B. durch die Nutzung sozialer Medien zur Folge hat. Dies möchten wir im Vorhinein bewusst machen und, wie es an einigen Schulen üblich ist, eine Medienvereinbarung treffen, die vorsieht, dass die Nutzung von Handys bzw. Smartphones, der Zugang zu Fernsehen, Hörspielen, Computer(-spielen) und Spielekonsolen mindestens bis zur 6. Klasse nicht Teil des Alltages in Schule und Elternhaus ist. Details und Fragen können wir gerne in Einzelgesprächen klären.

Zum Jugendalter hin werden wir in Zusammenarbeit mit den Eltern über ein behutsames Heranführen an verschiedene Medienformate entscheiden. Die gezielte und bewusste Ausbildung von Medienkompetenzen soll im Verlauf des Sekundarbereichs eingeführt und schrittweise intensiviert werden.

Rhythmus und liebevolle Führung

Wir möchten eine gesunde Balance zwischen Rhythmus, Freiheit und liebevoller klarer Führung schaffen, um den Kindern sowohl sicheren Halt als auch sukzessive Raum für Potentialentfaltung zu ermöglichen. Das freie Entscheiden über Lernräume und -kontexte, wie es an vielen freien Schulen üblich ist, ist bei uns in den unteren Jahrgängen begrenzt und wird erst mit zunehmendem Alter zur Mittelstufe hin relevanter. Demokratische Mitbestimmung erachten wir als überaus wertvoll und wichtig, sehen jedoch auch die Gefahr der kognitiven Überforderung in der zu frühen Übertragung von (zu viel) Verantwortung an Kinder der Primarstufe. Diese möchten wir altersentsprechend nach und nach auszuweiten.

Die Kinder sollen in ihren Bedürfnissen gesehen werden und gleichzeitig die Bedürfnisse der anderen Kinder, Erwachsenen, Tiere und des gesamten Hoforganimus spüren und achten lernen. Es gibt Räume, in welchen Inhalte klar vorgegeben sind und Lernräume in denen die Kinder projektbezogen frei wählen können, sich aber für mehrere Wochen verpflichten, dabeizubleiben.

Der Hofalltag gibt natürlicherweise klare Strukturen, nachvollziehbare Abfolgen und regelmäßige Aufgaben für die Kinder vor, in welche sich der Schulrhythmus einfügt (z.B. Versorgung der Tiere, Heu- und Kartoffelernte, Milchverarbeitung, Saubermachen etc.)

Tagesablauf

Den Rhythmus des Hofes, der Gemeinschaft und der Kinder betrachtend, organisieren wir den Schulalltag in einem fließenden Wechsel von Tätigkeiten und Lernerfahrungen im Pendeln zwischen Innen und Außen, allein und in der Gruppe, sitzend und in Bewegung. Der Tagesablauf wird in etwas wie folgt strukturiert:

Häufig gestellte Fragen:

  • Da die Schule insgesamt sehr klein bleiben soll (ca. 60 Kinder), um die Integration der Kinder in die verschiedenen Bereiche des Hofes (Landwirtschaft, Garten, Hauswirtschaft, Mitgliederladen, Forstwirtschaft, …) sinnvoll realisieren zu können, werden wir voraussichtlich drei Lerngruppen von 15-20 Kindern jahrgangsübergreifend unterrichten (Klassen 1-3, 4-6, 7-8). Die Oberstufe ist hauptsächlich für Interessierte einer beruflichen Ausbildung gedacht (Kassler Modell).

  • Ja. Uns ist es wichtig, mit den Kindern gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen und sie an der Zubereitung dessen teilhaben zu lassen. Es bildet sowohl eine wichtige soziale Komponente als auch elementaren Bestandteil des Erlebens eines ganzheitlichen Organismus. Einige Kinder sind während der zweiten Hälfte des Vormittages an der Ernte der Lebensmittel beteiligt, andere in die Verarbeitung bzw. Vorbereitung der Mahlzeiten integriert. Sie erleben den gesamten Zyklus der Lebensmittelherstellung, -verarbeitung und -verinnerlichung mit, lernen verschiedene Formen der Zubereitung kennen, erweitern ihren Erfahrungshorizont um womöglich unbekanntes Gemüse oder Getreideformen und kommen in den Genuss nährender und gesunder Mahlzeiten, was wir für die allgemeine Salutogenese und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen als unabdinglich erachten.

  • Damit jedes Kind die Möglichkeit hat, unsere Schule zu besuchen, möchten wir das Schulgeld nach Einkommen staffeln. Berechnungsgrundlage für das Schulgeld ist das Nettoeinkommen der Familie ohne Kindergeld. Die Einschätzung erfolgt freiwillig auf Vertrauensbasis. Der Orientierungswert für das Schulgeld liegt dann je nach Einkommen voraussichtlich ungefähr zwischen 180€ und 350€ pro Monat.

  • Die Bezeichnung „Freie Schule“ bezieht sich zunächst formell nur darauf, dass es sich um eine Schule in freier Trägerschaft, also keine staatliche Schule, handelt. Einige Schulen in freier Trägerschaft verfolgen auch das pädagogische Konzept des freien Lernens. Wir erachten es vor allem in den ersten Schuljahren als wertvoll, die Kinder klar und liebevoll zu führen, Lernangebote zu machen, einen wiederkehrenden Rhythmus einzuhalten usw. Das Lernen ist also in dem Sinne nicht frei, dass die Schülerinnen und Schüler jederzeit frei entscheiden können, was sie tun. Zudem gibt der Hoforganismus vielfältige Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen vor, in die sich die Tätigkeiten und Lernerfahrungen der Kinder einfügen (sollen), um Verantwortungsübernahme und Verbindlichkeit zu erlernen. Mit zunehmendem Alter nimmt der Freiheitsgrad in Bezug auf die Lernentscheidungen zu.

  • Nein, wir werden die Kinder nicht auf das Abitur vorbereiten. Es wird die Möglichkeit geben, einen mittleren Schulabschluss zu machen und - perspektivisch - auch eine Gesellenprüfung abzulegen (Landwirtschaft, Gartenbau, …).